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Die Taufe – Das Sakrament der Umkehr

„Kurz gesagt“ Nr. 2

Seit 1992 lehren wir in der Anskar-Kirche die Taufe von Menschen, die gläubig geworden sind, als einzige biblisch vertretbare Form der Taufe. Dennoch machen wir die Glaubenstaufe nicht zur Bedingung für eine Mitgliedschaft. Das heißt: Wir möchten Brüdern und Schwestern, die gewissensmäßig von dem Recht ihrer Säuglingstaufe überzeugt sind, ein Heimatrecht in der Anskar-Kirche gewähren. Ich habe in früheren Jahren zu oft erlebt, dass Christen in Sachen Taufe erheblichen Druck auf andere Gläubige ausübten, und zwar sowohl Anhänger der Säuglingstaufe als auch Befürworter der Glaubenstaufe. Wir wollen hier nicht alte Fehler wiederholen.

Keine Beliebigkeit

Wir sind uns bewusst, dass diese Vorgehensweise ein neues Missverständnis hervorrufen kann. Es könnte der Eindruck einer lehrmäßigen Beliebigkeit entstehen: „In unseren Gemeinden muss jeder sich persönlich von Gott zeigen lassen, welchen Standpunkt er in der Tauffrage einnimmt. Am besten betet man also und hört auf die innere Stimme des Heiligen Geistes. Je nachdem, was der Geist dem einzelnen dann an Weisung gibt, sollte man entscheiden.“
Nun, etwas Derartiges ist natürlich nicht gemeint. Die Leitung der Anskar-Kirche ist aufgrund einer sorgfältigen Beschäftigung mit der Tauflehre des Neuen Testaments überzeugt, dass nur die Taufe gläubiger Menschen dem Neuen Testament gerecht wird. Für uns sind alle Menschen, die vor ihrer Bekehrung – als Babies oder in einem späteren Lebensalter – eine so genannte Taufe empfangen haben, tatsächlich ungetauft. Nach dieser Sicht kann die Säuglings-„Taufe“ als eine Segenshandlung verstanden werden, keinesfalls aber als wirkliche Taufe im Sinn der Bibel. Wir wünschen uns deshalb von unseren Gemeindegliedern, dass sie das Neue Testament selbst studieren. Findet man dort eine Begründung für die Säuglingstaufe? Die folgenden Ausführungen sollen deutlich machen, wie ich die Dinge heute sehe.

Die beiden Seiten der Medaille

Man kann die neutestamentliche Taufe am besten als „Sakrament der Umkehr“ bezeichnen. Dies bedeutet zweierlei. Von Gottes Seite her betrachtet ist die Taufe ein „Sakrament“. Das heißt: Gott beschenkt uns durch sie mit seiner Gnade. Von der menschlichen Seite her gesehen kommt in der Taufe die Umkehr des Gläubiggewordenen zum Ausdruck. Diese beiden Seiten der Medaille gehören zusammen. Wenn eine davon fehlen würde, hätten wir es nicht mehr mit der biblischen Taufe zu tun!

Was schenkt Gott uns durch die Taufe? Es handelt sich um eine vierfache Gabe.

  1. Durch die Taufe empfangen wir die Vergebung unserer Sünden (Apg 2,38; Apg 22,16; Eph 5,26).
    2. Durch die Taufe empfangen wir das Sterben mit Jesus Christus (Röm 6,1-11; Kol 2,12; Kol 3,3).
    3. Durch die Taufe empfangen wir die geistliche Wiedergeburt (Joh 3,5; Tit 3,5).
    4. Durch die Taufe empfangen wir die Eingliederung in die Gemeinde, den Leib Christi (Apg 2,41; 1Kor 12,13).

An dieser Stelle sind wir mit den Anhängern der Säuglingstaufe einig. Ihnen gegenüber betonen wir allerdings, dass das Neue Testament zwar eine Segnung (Mk 10), aber keine Taufe Unmündiger kennt. Die Säuglingstaufe wird erstmalig um 200 nach Christus bei dem Kirchenvater Tertullian bezeugt, noch bis um 400 herrscht die Erwachsenentaufe vor. Die Glaubenstaufe ist allerdings nicht bloß durch die missionarische Situation der frühen Kirche bedingt. Überall im Neuen Testament finden wir folgende Reihenfolge: 1. Hören des Evangeliums, 2. Glauben an das Evangelium, 3. Taufe als Vollzug der Umkehr zu Gott (Mk 16,16; Apg 2,37-41; 8,12; 8,35-38; 16,30-33; 22,6.10.16; Eph 4,5 u.a.).

Nicht ohne Zustimmung

Auch sprachlich machen wir eine interessante Beobachtung: Die Menschen des Neuen Testaments „lassen sich“ taufen (im Griechischen Medium, nicht Passiv), sie „werden“ nicht ohne ihre geistliche Zustimmung „getauft“ (vgl. Apg 2,38; 8,12; 22,16 und öfter). In 1Korinther 6,11 ist offensichtlich die Taufe gemeint, wenn Paulus sagt: „Ihr habt euch abwaschen lassen“ (nicht: „Ihr wurdet abgewaschen“).

Sehr wichtig ist 1Petrus 3,21. Es handelt sich um die einzige Stelle im Neuen Testament, die so etwas wie eine Definition der Taufe enthält. Dort lesen wir: „… wir bitten Gott [in der Taufe] um ein gutes Gewissen“. Sehr zutreffend gibt die „Gute-Nachricht-Bibel“ den Sinn dieser Stelle wieder: „Wer sich taufen lässt, bittet damit Gott, sein Gewissen von aller Schuld zu reinigen.“ Hier wird etwas über das Verhalten des Täuflings bei der Taufe ausgesagt. Muss ich betonen, dass diese Bitte den Glauben an Jesus Christus und die persönliche Umkehrbereitschaft voraussetzt? Ist diese Voraussetzung bei Säuglingen gegeben?

Taufe ist Umkehr

Der Kernpunkt des Problems ist folgender: Es genügt nicht, zu sagen, die Menschen müssten einmal im Leben auf ihre zurückliegende Taufe mit persönlicher Umkehr antworten, sonst würde ihnen ihre Taufe nichts nützen. Entscheidend ist vielmehr: Die Taufe selbst muss Ausdruck der Umkehr, ein persönliches Bekenntnis zu Jesus Christus sein. Sonst ist sie eben keine neutestamentliche Taufe, sondern irgend etwas anderes!

Meiner Einschätzung nach wird es in den kommenden Jahren immer selbstverständlicher werden, dass sich Menschen, die Gottes Geist zu Jesus hinzieht, kurz danach taufen lassen. Aber wir werden weiterhin ein offenes Herz und einen Platz für Christen haben, die bereits eine geistliche Prägung mitbringen und aufgrund dieser Prägung gewissensmäßig an ihrer Säuglingstaufe festhalten.

Wolfram Kopfermann

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