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Jesus und das Reich Gottes

Eine Thesenreihe

Wolfram Kopfermann

1. lm Zentrum des Wirkens Jesu steht die Botschaft vom ,,Reich Gottes“. Was immer Jesus tut und lehrt: es ist nur von dieser Mitte her zu verstehen.

2. Der griechische Begriff, der an dieser Stelle begegnet (basileia), sollte möglichst nicht mit „Reich“ übersetzt werden. Wenn wir vom „Reich“ Gottes hören, denken wir zu schnell an ein Territorium (vergleiche die Rede von dem „Deutschen Reich in den Grenzen von 1938“) oder an den Himmel als den Wohnort Gottes. Beides ist hier nicht gemeint. Andere möchten das von Jesus gemeinte Reich Gottes mit dessen Weltregiment gleichsetzen. Es geht aber um ein konkretes geschichtliches Ereignis, das ganz an die Person Jesu gebunden ist: „Gott wird König“, er setzt sich gegenüber seinen Feinden durch, er richtet seine Königsherrschaft auf.

3. Es mag uns überraschen, dass der allmächtige Gott überirdische Feinde hat, die sich seinem Willen widersetzen und die erst noch niedergerungen werden mussten. Für Jesus handelt es sich bei diesen Gegnern, um es in der alten Sprache zu sagen, um Sünde, Tod und Teufel. Sie prägen die Menschheit in einem Ausmaß, das erst der gläubige Christ wirklich einschätzen kann:

Die Sünde trennt den Menschen von Gott und belastet die Beziehungen der Menschen untereinander.

Der Tod beendet nicht nur menschliches Leben, sondern attackiert in vielfacher Gestalt die menschliche Gesundheit: Krankheiten sind Vorboten des Todes.

Der Teufel als der Befehlshaber über ein Reich dunkler Mächte hat alle Menschen gefangen genommen und offenbart seine Herrschaft darin, dass er Menschen dämonisiert.

4. Jesus überwindet die Sünde, indem er einzelnen Menschen wie in Markus 2,5 zuspricht: Deine Sünden sind dir vergeben! Oder in der Weise, dass er Sündern seine und damit Gottes Tischgemeinschaft gewährt (vgI. Lk 15,1-2). Damit nimmt er den umfassenden Kreuzessieg über die Sünde vorweg.

Jesus tritt dem Tod entgegen, indem er wenige Tote erweckt und Scharen von Menschen von ihren Krankheiten befreit. Damit nimmt er die in Kreuz und Auferstehung vollzogene Besiegung des Todes vorweg.

Jesus besiegt den Teufel, indem er ihm jeden Einfluss auf sein eigenes Leben verwehrt und indem er Menschen aus ihren dämonischen Gefangenschaften herausführt. Damit nimmt er die in seinem Kreuzestod geschehene totale Entmachtung Satans vorweg.

5. Für Jesus bricht Gottes Königsherrschaft in naher Zukunft an und ist zugleich gegenwärtig, Der   Zukunftsaspekt begegnet zentral in Markus 1,15 / Matthäus 4,17: „Die Königsherrschaft Gottes ist nahe herbeigekommen.“ In Markus 9,1 lesen wir: „Amen, ich sage euch, es sind einige unter den hier Stehenden, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen werden, dass das Reich Gottes in Kraft gekommen sein wird.“

Von größerem Gewicht sind allerdings die Worte, die von dem gegenwärtigen Kommen der Gottesherrschaft handeln. Jesus sagt: „Wenn ich aber durch den Finger (Mt: Geist) Gottes die Dämonen austreibe, dann ist Gottes Reich schon zu euch gelangt“ (Lk 11,20; Mt 12,28). Als der gefangene Täufer Johannes von den Taten Christi hört, schickt er seine Jünger zu ihm und lässt ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? „Jesus antwortete ihnen: Berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ (Mt 11,4-6).

Jesus kennzeichnet seine Heilungen als Zeichen der Heilszeit (Jesaja 29,18-19; 35,5-6). Damit erhebt Jesus einen unerhörten Anspruch: das für die Heilszeit verheißene universale Heilwerden soll jetzt in seinem Wirken geschehen. Die Frohbotschaft lautet: Dein Gott ist König geworden (Jesaja 52,7). Matthäus 11,5 kennzeichnet Jesu Verkündigung und Lehre als Erfüllungsgeschehen, nämlich als Evangelium. Für uns bleibt wichtig: Jesu Wundertaten sind nicht eine notfalls entbehrliche Beigabe zu seiner Verkündigung; sondern das Reich Gottes, das Jesus bringt und repräsentiert, schließt das Heilwerden des Menschen ein.

6. Das Neue Testament macht deutlich, dass in Jesus das Reich Gottes angebrochen ist, dass seine Vollendung aber noch aussteht. Theologen sprechen hier oft von der Spannung zwischen dem „Schon jetzt“ und dem „Noch nicht“.

7. Jesus gibt den von Gott empfangenen Auftrag an seine Jüngergemeinde weiter (Mt 10,1 in Verbindung mit Mt 28,20). Es geht nicht einfach darum, wie oft der Begriff „Reich Gottes“ im Neuen Testament auftaucht, es geht um die Sache: Wir sind wie Jesus beauftragt, das Evangelium nicht nur in Worten, sondern auch durch Wundertaten, speziell Heilungen, weiterzugeben. Dafür stehen wir bis heute in der Spannung des „schon jetzt“ und „noch nicht“. So wie Jesus nicht alle Menschen in Israel heilte, sondern nur die, die Hilfe suchend zu ihm kamen oder gebracht wurden, so wird die Kirche niemals alle Menschen heilen. Menschen, die durch unseren Dienst geheilt wurden, können auch wieder krank werden. Überdies: Wir alle sind dem körperlichen Verfall durch das Älterwerden ausgeliefert (in 2Kor 4,16 spricht Paulus davon, dass unser äußerer Mensch aufgerieben wird). Wenn wir allerdings für 100 Menschen beten und nur zwei geheilt werden, sollten wir uns nicht hinter dem „schon jetzt“ und „noch nicht“ verstecken, sondern ehrlich unseren Mangel an Vollmacht bekennen. Es ist erstaunlich, wie erfinderisch fromme Menschen werden, wenn sie in die geistliche Defensive geraten.

8. Die Königsherrschaft Gottes geht nie völlig im Leben der Gemeinde auf. Sie Iiegt ihr stets voraus. Während die Gemeinde immer eine gewisse Tendenz zur Verfestigung in sich trägt, bleibt die Botschaft und Erfahrung des Reiches Gottes eine nach vorn drängende Dynamik. Schon sprachlich ist das deutlich: nach dem Neuen Testament „bauen“ wir die Gemeinde, während das Reich Gottes „kommt“.

April 2015. Überarbeitung 2016

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