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Die biblische Schau der geistlichen Krankenheilung

Wolfram Kopfermann / Heike Bodecker

 

1 Zum Begriff der „geistlichen Krankenheilung“

Wir verwenden den Ausdruck „Dienst der geistlichen Krankenheilung“, um deutlich zu machen, dass es um eine geistliche, d.h. durch den Heiligen Geist gewirkte Krankenheilung geht. Viele sprechen von „Glaubensheilung“. Glaube ist ein wichtiger Faktor im Heilungsgeschehen. Doch dieser Begriff könnte das Missverständnis aufkommen lassen, dass unser Glaube die Heilung bewirkt und nicht Gott selbst. Der biblische Heilungsdienst richtet sich jedoch immer auf Gott als das persönliche Gegenüber aus. Daneben gibt es den Sprachgebrauch „divine healing“, übersetzt heißt dies „göttliche Heilung“. Dieser Begriff ist deswegen ungünstig, weil alle Heilungen von Gott kommen. Egal, ob sie durch Ärzte eingeleitet werden oder durch ein Gebet um Heilung unter Handauflegung geschehen.

 

2 Auf Gottes Wort zum Thema „Heilung“ hören

Es ist kein intellektueller Luxus, wenn wir uns ausgiebig mit der Bibel beschäftigen, es ist von elementarer praktischer Bedeutung für  uns. Unser Handeln, unsere Erwartungen und unser geistlicher Hunger müssen vom Wort Gottes her bestimmt sein.

Wenn das nicht geschieht, werden wir von unseren Erfahrungen her bestimmt. Doch eine erfahrungsorientierte Kirche ist grundsätzlich eine schwache Kirche. Das kann auch bei positiven Erfahrungen so sein. Sie können dazu verführen, dass wir in einer Mittelmäßigkeit des Glaubens steckenbleiben. Wir geben uns dann z.B. mit gelegentlichen Heilungen zufrieden, obwohl uns das Neue Testament eine andere Wirklichkeit und andere Möglichkeiten aufzeigt. Bei negativen Erlebnissen interpretieren wir nicht selten den Willen Gottes auf unbiblische Weise (z. B. „Gott will heute nicht mehr heilen“). Wir müssen die Grundeinstellung der Bibel zu Krankheit und Heilung kennen und diese verinnerlichen, um dann mit ihr zu beten. Unsere Gebetspraxis lässt Rückschlüsse auf innerste Überzeugungen zu.

Es geht dann auch um die persönliche Aneignung von Verheißungen durch den Glauben. Methodik ist letztendlich Nebensache (auch die Frage nach einer Heilungsgabe). Entscheidend ist, dass wir mit der Grundeinstellung beten: „Gott will Heilung schenken, dies sagt sein Wort.“ Und weitergehend fragen wir: „Glaube ich ihm seine Zusagen?“[1]

 

3 Das Alte Testament sagt Wesentliches zum Thema „Krankenheilung“

Alles Grundlegende zum Thema „Heilung“ wird im Alten Testament schon gesagt. Es enthält die Linien, die im Neuen Testament weiter ausgezogen werden.

Eine Bibelstudie wird zeigen, dass es zu Gottes Wesen gehört, zu heilen. Gott steht mit seinem Charakter hinter seinem Wort. Er spricht nicht nur Worte der Heilung, sondern er gibt sich dahinter als ein Gott der Heilung zu erkennen – ein Gott, der Gutes, Heilvolles geben will.

 

3.1 Ursprung der Krankheit

Im Denken vieler Menschen ist Krankheit etwas Natürliches, ein Vorkommnis, das zum Leben gehört. Sie gilt als Bestandteil unseres Daseins, so wie der Tod dazu gehört. Auch zu einer „normalen christlichen Haltung“ gehört bei vielen, dass sie Krankheit hinnehmen, so wie sie auch den Tod akzeptieren und annehmen als von Gott ursprünglich gewollt. Doch das genau entspricht nicht dem biblischen Weltbild. In der Bibel wird Krankheit als Eindringling betrachtet, sie ist ein Fremdkörper in der geschöpflichen Ordnung Gottes. Sie ist nicht Gottes erste und letzte Absicht mit seiner Schöpfung. Die biblische Sicht besagt, dass der Tod Teil der gefallenen Schöpfung ist. Der Tod ist eine Folge der Sünde, und die Vorformen des Todes – Krankheiten – sind ebenfalls eine Folge der Sünde. Tod und Krankheit sind Gestalten der Zerstörung, Ausdrucksformen widergöttlichen Wirkens.

Wir müssen das Gewicht dieser Aussage erkennen, sonst können wir die biblische Schau der Krankenheilung nicht in der Tiefe verstehen. Wenn Krankheit etwas ist, was zu unserem Lebenslauf natürlich dazu gehört, dann erscheint Heilung als etwas Beliebiges, als etwas vielleicht sogar Positives, aber doch als etwas, was den Lauf der Dinge nur geringfügig aufhält. Wird Krankheit aber als eingedrungene zerstörerische Macht verstanden, dann können wir Gottes Stellung zur Krankheit ganz anders begreifen – und damit das Handeln Jesu und der Urkirche.

Aus 1. Mose 2,15-17 wird deutlich, dass Sterblichkeit als Gericht verstanden wird, das Gott auf einen ganz bestimmten Ungehorsam legt:

Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

In 1. Mose 3,16-18 wird ein Fluch auf den Menschen und seine Welt gelegt:

Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Gerhard von Rad, der große Alttestamentler, hat gesagt, dass 1. Mose 3 etwas darüber aussagen will, wie alle Störungen unseres natürlichen Lebensstandes ihre Wurzeln im gestörten Gottesverhältnis haben. Diese Sicht (Tod als Folge von Sünde) wird von Paulus in Römer 5,12 aufgenommen und sehr verbindlich ausgeführt:

Deshalb, wie durch „einen“ Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.

Die Kernaussage in diesem Vers heißt: Wir leben in einer Welt der Sünde, und deswegen leben wir in einer Welt des Todes (und der Krankheit). Es wird von einem Verhängnis gesprochen, das auf der ganzen Menschheit lastet.

Dabei wird ein kollektiver Zusammenhang hergestellt: Krankheit ist nicht notwendigerweise Ausdruck einer persönlichen Schuld. Aber sie ist Ausdruck der Schuldverfallenheit der ganzen  Menschheit.

Wir müssen das urchristliche Denken von Tod und Sterben radikal verinnerlichen[2] und Konsequenzen für unser Handeln daraus ziehen. Der Kampf Jesu um das Gesundwerden von Menschen war eine Kriegserklärung gegen die gottfeindliche Todesgewalt. Wenn Christen dazu auffordern, Krankheit als zugedachten Segen Gottes anzunehmen, zeigt diese Sichtweise ihre tiefe Entfernung vom Wort Gottes.

Wir sollten zuerst die Grundposition des Wortes Gottes verstehen lernen, um dann anschließend seelsorgerliche Fragen zu stellen. Etwa die nach dem zugelassenen Willen Gottes: Auch wenn Gott Krankheit zulässt, ist sie kein Segen. In der Auseinandersetzung mit ihr kann uns jedoch Segen zufließen.

 

3.2 Die Rolle der Gemeinschaft

Folgende Worte aus 2. Mose 15,26 sind in mehrfacher Hinsicht wichtig:

Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der HERR, dein Arzt.

Erstens: Gott bezeichnet sich als Arzt des Volkes Israel. Er will nicht Krankheit, sondern Heilung.

Zweitens: Es wird von der Möglichkeit gesprochen, dass Gott Krankheit schickt. In den meisten Schriften des Alten Testamentes ist das personale Böse nicht benannt. Dass Gott einen Widersacher hat, ist weitgehend unbekannt. Im Neuen Testament finden wir eine entwickelte Vorstellung eines Gegners, die Existenz des Satans ist stärker bewusst geworden.

 

Wir sollten zuerst die Grundposition des Wortes Gottes verstehen lernen, um dann anschließend seelsorgerliche Fragen zu stellen.

Drittens: Es wird das „Du“ der alttestamentlichen Bundesgemeinde angesprochen. Krankheit und Heilung haben auch einen sozialen Aspekt. Der einzelne Beter stößt nicht weiter vor, als die Gemeinde oder das geistliche Umfeld, zu dem er gehört.

 

3.3 Gott vergibt und heilt

In Psalm 103, Vers 2 – 3 begegnet uns eine gewaltige Aussage:

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen.

In Psalm 103,2-3 wird das vergebende und heilende Handeln Gottes parallel bezeugt. Hier wird ein Gott gelobt, der in der gleichen Dichte, in der gleichen umfassenden Weise heilt, wie er auch vergibt. Bei Gott ist die Quelle für beides, für Vergebung und Heilung.

Unter Punkt 3.1 sahen wir, dass Krankheit aus der Entfernung, aus der Loslösung von Gott kommt. Daraus ergibt sich, dass der Gott, der die Sünde vergibt, auch die Krankheit heilt. Gleichzeitig ergibt sich daraus auch:  Das Heil ist der Heilung vorgeordnet, das Heil steht im Zentrum.

 

3.4 Die Zukunftshoffnung Israels

Zu der Zukunftshoffnung Israels gehört ein neues Kommen Gottes, das die Welt heil macht:

Jesaja 52,7:

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!

Hier wird ein sehr dynamischer Vorgang beschrieben: Gott setzt sich durch, er erweist sich als König, seine Herrschaft bricht an. Und wenn Gott seine Herrschaft anbrechen lässt, dann geschieht Wiederherstellung der Schöpfung; Heilung ist an diesen Vorgang, dass Gottes Königreich aufgerichtet wird, gebunden.

Jesaja 35,4-6:

Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.« Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

Wenn Gott kommt, überwindet er sowohl Sünde wie auch alle Auswirkungen der Sünde, auch die Krankheit.

 

3.5 Der Mittler des Heils

In Jesaja 61 offenbart Gott noch deutlicher, wie sich diese Königsherrschaft durchsetzen soll. Er setzt einen Mittler ein, einen Gesalbten, mit dem die Heilszeit beginnt. Dieser Gesalbte spricht in Jesaja 61,1-3:

Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Vergeltung unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des HERRN«, ihm zum Preise.

Das neue Heil Gottes ist also an einen Gesalbten gebunden, an einen Messias. Denn „Messias“ ist die eingedeutschte Form des hebräischen Begriffs  „maschiach“  (Gesalbter), auf Griechisch wird er „Christos“ genannt, auf Lateinisch „Christus“.  Christen glauben, dass dieser Gesalbte Jesus Christus ist. Er ist die Heilsgestalt, durch die sich Gott durchsetzen will und wird.

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Text wichtig, den Christen auf diesen Gesalbten, auf Jesus Christus, beziehen. Es sind die Worte vom Knecht Gottes, besonders Jesaja 53, 4-5:

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Hier findet sich die Kernaussage, dass der Gottesknecht die Schuld der Gottlosen gesühnt hat, aber dass er nicht nur die Schuld trägt, sondern auch die Krankheit. Er nimmt die Sünde stellvertretend auf sich, und er nimmt die Krankheit, die Folge der Sünde, stellvertretend auf sich.

Jesaja 53 beschreibt die Grundfunktion des Gottesknechts: die Übernahme von Schuld und das Tragen von Krankheit.

 

4 Wie werden die alttestamentlichen Linien im NT aufgenommen?

Weiter vorne haben wir gesagt, dass alles Grundlegende zum Thema „Heilung“ schon im Alten Testament zu finden ist und dass das Neue Testament diese Linien aufnimmt. Wie sieht das nun im Einzelnen aus?

Die Verheißungen aus Jesaja 35 und Jesaja 61 werden in Matthäus 11,4-5 aufgegriffen. Johannes der Täufer lässt die Frage stellen, ob Jesus der Verheißene sei. In seiner Antwort nimmt Jesus die Aussagen aus Jesaja auf:

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.

Die Prophetie aus Jesaja 53 wird in Matthäus 8,16-17 aufgenommen:

Am Abend aber brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 53,4): »Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Krankheit hat er getragen.«

An dieser Stelle bezieht sich Jesaja 53 eindeutig auf körperliche Heilung. Auch in 1. Petrus 2,24f. wird Jesaja 53 zitiert, hier wird unter Heilung jedoch die Heilung der Gottesbeziehung verstanden, die Gott durch Jesus Christus schenkt:

… der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Die Worte aus Jesaja 61 und Jesaja 58 werden in Lukas 4,16-19, in der sogenannten Antrittspredigt Jesu, aufgenommen:

Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1-2): »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«

 In Lukas 4, 21 findet sich die Aussage Jesu, dass diese Verheißung nun erfüllt sei:

Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

In Markus 2 wird Psalm 103,2-3 aufgenommen. Der Gichtbrüchige hört das Wort der Vergebung und der Heilung.

Markus 2,5-12a:

Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen.

Auch hier zeigt sich, dass die Vergebung und damit die Heilung der Gottesbeziehung der Heilung von Krankheit vorgeordnet ist. Gleichzeitig wird erneut deutlich: Wo Christus auftritt und Sünden vergibt, geschehen auch körperliche Heilungen.

 

4.1 Jesus ist die Erfüllung des alttestamentlichen Zeugnisses

Aus den obigen Ausführungen ergibt sich: Das Zeugnis von dem heilenden Gott ist im Alten Testament enthalten, es findet seine Erfüllung in Jesus Christus.

 

4.2 Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu steht die Königsherrschaft Gottes

Der griechische Begriff basileia lässt sich auf mindestens zwei Weisen wiedergeben. Man kann ihn mit „Reich“ oder mit „Königsherrschaft“ übersetzen. Während dem ersten Begriff etwas Statisches anhaftet – Reich verstehen wir eher im Sinne von Bereich, Territorium -, enthält der zweite eine stärkere Dynamik: Königsherrschaft Gottes heißt, dass Gott Herr wird; er greift heilsam und befreiend ein. Gott setzt sich als der König der Heilszeit durch. Seine Herrschaft ist nun nahe in Worten und in Taten, beides ist gebunden an eine Person: Jesus Christus. Reich Gottes meint also Königsherrschaft im Sinne von Regierungsantritt Gottes, die das Heilwerden von Menschen mit sich bringt.

Das Reich Gottes ist damit auch ein Gegenentwurf, eine Kampfansage an die Todeswelt, hinter der Satan steht. Jesus hat einen Gegner, den er konkret angreift.

Mit dem Kommen Jesu bricht das Reich Gottes an, mit der Wiederkunft Jesu wird es hier auf Erden in Vollendung erwartet.

 

4.3 Jesu Dienst geschieht in Wort und Tat

Jesu Dienst geschieht im Wort und im Werk. Er vollzieht sich in der Verkündigung und in der Befreiung von Menschen (doppelter Dienst).

Die Heilungen – und das schließt Dämonenaustreibungen ein – sind nicht ein Zugeständnis an menschliche Schwachheit. Die Sicht der Bibel ist: Das Reich, das Jesus bringt, wird in den Worten proklamiert und in den Taten demonstriert. Proklamation und Demonstration bilden eine unauflösbare Einheit. Die Werke verleihen der Botschaft Jesu erst den eindeutigen und damit verpflichtenden Charakter (Matthäus 11,2-6). Sie sind Zeichen dafür, dass die Heilszeit wirklich angebrochen ist.

 

4.4 Vom Hören und Sehen des Reiches Gottes

Es gibt um Jesu herum nicht nur etwas zu sehen – ohne ein erklärendes, deutendes Wort; aber es gibt auch nicht nur etwas zu hören – ohne Sichtbarkeit. Jesu Wort ist ein „verleiblichtes Wort“. Gemeint ist: Wort und Werk interpretieren sich gegenseitig. Das Wort Jesu – ohne sein Werk – wäre nicht mehr sein Wort, es wäre ein entleertes Wort.

Das Hören ist dem Sehen übergeordnet. Wir finden im Neuen Testament keine Gleichgewichtigkeit von Hören und Sehen. Das Wort hat ein deutliches Übergewicht, aber es gibt eine Zuordnung der Werke und der Taten Jesu zum Wort. Unser Glaube hängt letzten Endes an dem Wort, das Jesus sagt. Aber dieses Wort ist in aller Regel begleitet, flankiert, illustriert durch das Werk, durch die Taten, durch die Heilungen.

 

5 Zusammenfassung und Ausblick

  • Es gibt eine ganz bestimmte Schau von Krankheit und Tod.
  • Es gibt alttestamentliche Zusagen für die Heilszeit, diese fangen an, sich in Jesus Christus zu erfüllen.
  • Die Erkenntnis, dass Gott Heilung will – weil er ein Gott der Heilung ist -, fordert uns heraus.
  • Die Frage der Heilung darf kein Nebenthema bleiben.
  • Wir müssen uns als Leib Christi gemeinsam nach dem Handeln Gottes ausstrecken.
  • Wir dürfen uns nach einer Erweckung mit Zeichen und Wundem ausstrecken.

 

[1] Mehr zu der Bedeutung des Glaubens und zum Wachstum im Glauben in: Wolfram Kopfermann / Heike Bodecker, Der Glaubensfaktor beim Heilungsgebet.

[2] Hilfreich dazu ist folgender Aufsatz: Heinrich Schlier: Der Tod im urchristlichen Denken, In: Kubina, Veronika und Lehmann, Karl (Hrsg.): Der Geist und die Kirche. Freiburg im Breisgau 1980, S. 101-109 und 111-113.

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